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Asoziale Medien

Eine Untersuchung der Meisterschule

Was als Versprechen für demokratische Teilhabe begann, hat sich zu einem komplexen Geflecht aus Algorithmen, Selbstbespiegelungen und ökonomischen Interessen entwickelt. Die Meisterschule für Kommunikationsdesign an der Graphischen Wien hat sich heuer zum Ziel gesetzt, hinter die Oberflächen der Plattformen zu blicken. 28 Studierende widmeten sich in einer Untersuchung der Frage: Wie „sozial“ sind die Sozialen Medien wirklich?

Vom Aufbruch zur Ernüchterung

Das ursprüngliche Ideal war simpel: Jeder Mensch wird vom passiven Empfänger zum aktiven, vernetzten Sender. Doch heute dominieren globale Konzerne und Plattformen das Geschehen. Intransparente Algorithmen kreieren Echokammern, in denen wir oft nur noch unseren eigenen Spiegelbildern begegnen. Nutzer*innen sind längst nicht mehr Kunden, sondern das Produkt selbst. Während KI-gestützte Anwendungen uns emotional binden, gar süchtig machen sollen, verdrängen sie klassischen Journalismus und öffnen Räume für Populismus, Falschinformationen und unerreichbare Ideale.

Gebündelte Expertise als Fundament

Um die Phänomene zu fundieren, wurde das Jahresprojekt durch Vorträge von ExpertInnen begleitet. So erläuterte Barbara Buchegger von Saferinternet die Vermittlung von Medienkompetenz und den Schutz vor Netzgefahren, während Prof. Oliver Scheibenbogen vom Anton Proksch Institut die klinisch-psychologischen Aspekte digitaler Abhängigkeiten beleuchtete. Die rechtliche und gesellschaftspolitische Ebene deckten Daniel Lohninger von epicenter.works mit Fokus auf Datenschutz und Überwachung sowie Ass. Prof. Jan Maly von der WU Wien durch die Analyse demokratischer Algorithmen ab. Einblicke in die Praxis lieferten der Content-Creator Maximilian Ratzenböck zu den Dynamiken moderner Social-Media-Präsenz und Florian Schmidt in seiner Rolle als Datenjournalist vom APA-Faktencheck zur Verifikation von Desinformation.

17 Perspektiven in 17 Reels

Die zentrale Frage – ob wir den negativen Seiten mit Ignoranz, Verboten oder Aufklärung begegnen sollten – mündete in 28 individuellen Referaten und Abschlussarbeiten. Die Essenz dieser intensiven Auseinandersetzung wurde nun für genau ein Medium aufbereitet, das ebenso in der Kritik steht: Instagram. In 17 prägnanten Reels präsentieren die Studierenden ihre Ergebnisse. Jedes Video ist ein Fenster in eine tiefere Untersuchung – von der Psychologie des „Likes“, über fehlenden Datenschutz bis hin zur Macht der Algorithmen. Diese Landingpage dient als gemeinsamer Ankerpunkt, um die Fragmente zu einem großen Ganzen zusammenzufügen und die kritische Debatte über unsere digitale Zukunft fortzuführen.

Mit Beiträgen von

Emma Schmidleitner, Luisa Riegler, Camilla Cadeggianini – Sallonières

Inspiriert von Frauen, die Räume für Sprache und Austausch schufen: ein analoger Rundbrief, der zum Briefeschreiben einlädt und dem digitalen Konsum eine handgeschriebene Alternative entgegensetzt.

Barbara Olt, Paula Bauer – Roboter/Wischfinger-system

Jugendliche verbringen täglich rund vier Stunden mit Doomscrolling. Die wischende Bewegung mit dem Daumen ist längst zur Gewohnheit geworden. Dieses Scrollen läuft inzwischen so automatisch ab, dass wir kaum noch bewusst darüber nachdenken müssen. Sind wir dabei, mehr Maschine als Mensch zu werden?

Viktoria Neubacher – “Marks Cookbook”

Was, wenn plötzlich alte Unterlagen von Mark Zuckerberg im Netz auftauchen würden? Nach außen ein harmloses, handschriftliches „Kochbuch“, tatsächlich aber eine unverblümte Anleitung, wie Mark Z. Menschen über seine Plattformen systematisch und nachhaltig abhängig macht.

Magdalena Schubert, Lumi Apata – Touch Grass

Doomscrolling beenden ohne Fomo zu erleben? Touch Grass macht die besten Ecken des Internets analog. Fange jetzt deinen monatlichen Plan an und entdecke Add-Ons wie DM Postkarten und Meme Flipbooks.

Adriana Müller – Connected Kartenspiel

Wie können Eltern mit ihren Kindern über das reden, was sie im Internet sehen? Das Kartenspiel Connected findet Anknüpfungspunkte zwischen Eltern und Kind im digitalen Raum und ermöglicht einen authentischen und alltagsnahen Austausch über die Höhen und Tiefen unserer digitalen Welt.

Jinwoo Choi – Digitalisierung der Körper

Durch die Digitalisierung und ständige Nutzung von Smartphones verändert sich unser Alltag stark, nicht nur unser Verhalten sondern unsere Körperhaltung und unseren Körper selbst. Wer steuert eigentlich wen? Wir die Geräte oder die Geräte uns?

Michelle Herrmann – NOT that girl

Die Sozialen Medien zeigen mit „Trad Wife“ und „That Girl“ ein ruhiges, makelloses Frauenideal – im Kontrast zur Realität vieler Frauen, die von Unsicherheit und Zukunftsängsten geprägt ist.

Thanh Mai Vy, Lukas Kuhl – Monster of the Forest

Tief im Wald lebt ein Monster mit tausend Stimmen, das jede Frage beantwortet, ohne zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Viele suchen seinen Rat, denn es scheint alles zu wissen und nichts zu verlangen. Doch wenn du dem Monster erneut begegnest, spricht es mit tausend und einer Stimme; es trägt dein Gesicht.

Sofia Rohnefeld – Offline 365

Wann hast du zuletzt bewusst entschieden, was du dir online anschaust? Offline 365 ist ein analoger Kalender mit monatlichen Fakten und Impulsen rund um Social Media – zum Nachdenken, Reden und Ausprobieren. Ein kleiner Reminder an der Wand für 365 Tage bewussteres Leben im Netz.

Katharina Hausmann – Zwischen Witz und Hetze

Wie funktionieren rechte Memes im Netz? Die fiktive fluter-Seite zeigt, wie Codes, Emojis und Sticker Hass als lustige Internetkultur tarnen und so besonders junge Menschen erreichen.

Mia Bergen – TRK Suit

Die fiktive Clothing-Brand “TRK” sammelt mithilfe der App die biometrischen Daten und Standorte der User*innen, und visualisiert diese auf ihrer persönlich-gefertigten Kleidung. Ziel ist es, Aufmerksamkeit auf die schiere Anzahl der nicht bewusst gesammelten Daten zu richten.

Clara Kogler – Ich packe meinen Koffer

Zwischen Algorithmus-Sucht und funktionalem Mehrwert: das Paradoxon unserer Smartphone-Nutzung. In einer Tauschbörse wird das Handy durch analoge Gegenstücke ersetzt, die dessen wichtigste Funktionen wieder greifbar machen.

Julija Torjanika, Ella Reicht – Connection Zone

Für mehr Miteinander erweitert Connection Zone den Augarten zu einem handyfreien öffentlichen Raum. Durch eine netzfreie Umgebung im gesamten Augarten und wenigen online-spots entsteht ein Bereich für bewusste Zeit.

David Ruben Hesse – AI Companion Nemesis

ist kein Tool, keine App, keine Marke die du kennst. Du findest eine Münze. Du scannst. Du folgst. Und dann stellt dir jemand auf Instagram Fragen über dich selbst — Fragen die der Algorithmus nie stellen würde. Weil er nicht will, dass du aufhörst zu scrollen.

Christina Tamm, Lena Unterdorfer – Your Day in Data

Die App „Your Day in Data“ gibt einen Einblick, wie viele Daten auf einem Endgerät täglich aufgezeichnet werden. Ziel ist ein erhöhtes Bewusstsein für den Umgang mit den eigenen Daten.

Amelie Thiele – “Offline Social Club” (Sticker-Sammelsystem)

Der Offline Social Club ist ein Sticker Sammelprojekt, das einerseits alltägliche Social Media Probleme sichtbar macht und Menschen durch Sammeln und den Austausch darüber im echten Leben außerhalb des Onlinekosmos zusammenbringt.

Anna Weitzl – You are being watched – Plakatserie & Website

Man fühlt sich unbeobachtet, doch der Überwachungsapparat kennt dich schon besser, als du selbst. Warum auch du davon betroffen sein kannst und wie du dich schützen solltest, wird mit einer Website erläutert, die durch einen QR-Code abrufbar ist. Verbreitet wird der QR-Code mit einem Plakat, das in der Stadt verteilt zu finden ist.

Ein Projekt der Meisterschule an der Graphischen in Wien.

Das Projekt wurde initiiert und begleitet von Goran Golik und Harald Begusch. Das CD des Projekts stammt von Julian Thurner und Marcin Hentsch.